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Rundfunk

GLR | 1.8.2019

Man mag gewisse Menschen recht gut kennen, ihnen täglich begegnen, mit ihnen im selben Haus wohnen. Es wird sie nicht besonders kümmern, was du sagst oder was du tust, bis sie vernehmen, daß du im Fernsehen erscheinen wirst. Dann eilen sie so früh wie möglich aus dem Büro nach Hause, nicht um dich an Ort und Stelle zu sehen, sondern dich im Fernsehen dieselben Dinge sagen zu hören.

Auf dieselbe Weise würden Leute, denen es nicht im Traum in den Sinn käme, eines deiner Bücher zu lesen, sich unbequem um ein Rundfunkgerät zusammenscharen, um andere Leute über dein Buch sprechen zu hören.

Es ist ein trauriger Mangel unserer Zivilisationen, daß sich die Leute erst dann für etwas interessieren, wenn es dramatisiert (und sei es bloß via Rundfunk) oder in die Form eines Rituals verpackt worden ist.

Dasselbe gilt für jene Leute, die sagen: "Ich muß an deine Lesung kommen." Du antwortest: "Du kannst mich täglich diese Dinge sagen hören, ohne eine literarische Veranstaltung besuchen zu müssen." "Aber das ist nicht dasselbe", werden sie erwidern.

Idries Shah: Karawane der Träume, S. 225

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